Chronik

Von der Gründung bis heute

Da durch die Wirren des letzten Krieges sowohl die Protokollunterlagen als auch wertvolles Aktenmaterial verlorengegangen sind, läßt sich heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen, wem die Notiz in der hiesigen Presse im Oktober 1928 zuzuschreiben ist, sich zur Gründung eines neuen Schützenvereins am 28. Oktober 1928 im Lokal “Zum Schwan einzufinden. Fest steht, dass eine Reihe von Walsumer und Hamborner Bürgern an diesem Tage die Bürger-Schützengesellschaft Aldenrade-Walsum gründeten und nach Verabschiedung des Status den Schützenbruder Wilhelm Winkelmann zum ersten Vorsitzenden wählten. Ihm zur Seite wurde, als erster Schriftführer der Schützenbruder Theodor Nühlen, als zweiter Schriftführer der Schützenbruder Heinrich Möller sowie als Kassierer der Schützenbruder Heinrich Wankum gewählt. Dem weiteren Vorstand müssen nach fotografischen Unterlagen die Schützenbrüder Franz Jungblut, Theodor Meiering, Gerhard Niemüller und Karl Schmelz als Beisitzer angehört haben. Darüber hinaus arbeiteten aus dem Offizierskorps Oberst Johann Kölsch, Major Willi Uhde und Hauptmann Heinrich Rosendahl im Vorstand mit.

Schon im Jahre 1929 fand aber ein Vorstandswechsel statt, in dem Heinrich Möller zum ersten Schriftführer und Theodor Nühlen zum ersten Kassierer sowie Josef Becker zum zweiten Kassierer gewählt wurden. Der Vorstand hatte damit eine Zusammensetzung, die bis zum Kriegsbeginn im Jahre 1939 im wesentlichen die gleiche blieb.
Der junge Verein hatte sich zum Ziele gesetzt, möglichst schnell als Schützenverein
an die Öffentlichkeit zu treten, den Schießsportbetrieb zu forcieren und letztlich
eine solide Basis für seine wirtschaftliche Selbstständigkeit zu schaffen. Auf der
Woge der ersten Begeisterung sowie gestützt auf den festen Willen aller Mitglieder,
konnte der Verein schon im Juli 1929 auf der Tittgen-Wiese sein erstes Schützenfest
feiern. Nach der Fahnenweihe, bei der der Bürger-Schützenverein Marxloh e.V. 1926
Pate stand, fand nach der Überlieferung der damals beteiligten Schützenbrüder ein
unvergeßliches Fest statt, in dessen Verlauf es dem Schützenbruder Theodor Nühlen
beim Königschießen gelang, den Rumpf von der Stange zu holen. Zu seiner Königin erkor er sich Frau Martha Winkelmann. Bereits bei diesem Fest trat der Verein in Uniform auf.Oberst Johann Kölsch, sein Adjutant Gerhard Fengels, Major Willi Uhde und dessen Adjutant Adolf Behrens sowie die Königs-Adjutanten Oskar Fischer und Dietrich Hülskenwaren beritten. Die Kompanie wurde von Hauptmann Heinrich Rosendahl geführt. Ihm standen Oberleutnant Hermann Groß-Blotekamp und Leutnant August Ammann zu Seite.

Im Zuge der Bemühungen weitgehend unabhängig zu werden, gelang es dem jungen Vorstand des Vereins am 6. Februar 1930, von Johann Langhoff ein 8.743 qm großes, zwischen Staatsbahn und Emscher gelegenes Gelände zu pachten. Dieses Gelände konnte am 29. November 1937 nach dem Tode von Johann Langhoff von seiner Ehefrau Jacobine geb. Kempken späte Frau Rünker käuflich erworben werden. In Selbsthilfe gelang es dem Verein, in kurzer Zeit ein Schützeneigenheim zu errichten, das schon 1930 eingeweiht werden konnte.
Für den Ausschank bestand zunächst nur eine Teilkonzession (vom 10. Juli 1930), später konnte in einem Verwaltungsgerichtsverfahren die Vollkonzession erreicht werden (Mai 1935). Erster Pächter dieses Heims waren die Eheleute August Weusthoff. Doch schon nach kurzer Zeit trennten sich Verein und Pächter, worauf der erste Vorsitzende eines Abends seiner Frau, der amtierenden Königin, folgendes eröffnete: “Martha, ich habe den Schlüssel für das Eigenheim mitgebracht. Geh‘ da mal für ein paar Wochen hinein”. Diese paar Wochen dauerten bis zum Jahre 1933, als schließlich mit den Eheleuten Karl Clören ein neues Pächterehepaar gefunden werden konnte. Im Jahre 1937 traten die Eheleute Rudolf Kolberg die Nachfolge Karl Clören und seiner Ehefrau an. Schließlich wurde am 1. Juni 1938 der Wirtschaftsbetrieb von den Eheleuten Ernst Fink übernommen.
Das Schützeneigenheim war für viele junge und alte Walsumer und Hamborner Bürger ein
ständiger Treffpunkt. Mit dazu beitrug, dass die katholische Jugend das Sportgelände nutzte. Nicht zuletzt diesem Umstand dürfte es zuzuschreiben sein, dass der von uns hochgeschätzte Ehrenvorsitzende unseres Nachbarvereins, Christoph Rosenthal, noch behauptet: “Eine Mauer in diesem Hause gehört mir.”

Noch größere Berühmtheit erlangte unser Schützeneigenheim durch die Doppelkopfabende, die vor allem freitags stattfanden. Der Vorstand, der zum großen Teil aus Beamten der Städte Hamborn (später Duisburg) und Walsum bestand, hatte beruflich und privat einen großen Bekanntenkreis, für den die schönen Stunden am Freitagabend eine unvergeßliche
Erinnerung blieben. Gerade an diesen Tagen wurden viele Freudschaften geschlossen, die dem Verein weitgehend Sympathien und Zulauf einbrachten.
Unvergeßlich aus jener Zeit eine Episode, als eine bayrische Gruppe mal im Eigenheim feierte. Bei der bekannten Rauflust dieses Volksstammes kam es schließlich zu einer Rangelei, bei der das Ofenrohr aus der Halterung gerissen wurde. In diesem Tumult hatte gerade ein besonderer Freund des Hauses, der Postsekretär August Hoyer aus Duisburg-Hamborn ein fantatischer Kartenspieler beim Doppelkopf einen Solo und rief: ”Karten festhalten und in die Tasche stecken. Ich habe einen Solo.” Nach Schluß der Kampfhandlungen wurde dieser Solo gespielt.

Schießsportlich hatte der Verein bereits im Jahre 1929 bei den Meisterschaften des unteren Niederrheins in Wesel einen Erfolg aufzuweisen, als es dem Schützenbruder Gerhard Niemüller gelang, Meister zu werden. Nichts lag also näher, als dass der Verein alles daransetzte, für seine Mitglieder ausreichende Trainingsmöglichkeiten zu schaffen. Schon im Jahre 1930 konnten auf dem gepachteten Gelände
zwei 100-m-Stände       für Großkaliber
zwei 50-m-Stände        für Kleinkaliber
ein 25-m-Stand            für Pistolen- und
ein Hochstand              für Vogelschießen
ihrer Bestimmung übergeben werden.
Die Sportstätte war verkehrsmäßig so gut zu erreichen, dass sie von einer Vielzahl von Vereinen, Verbänden usw. bis hin zur Schutzpolizei benutzt wurde. Kleinere sportliche Erfolge waren in den ersten Jahren zu verzeichnen. Der große Durchbruch gelang jedoch erst, als der Schützenbruder Peter Tappe mit einigen Kameraden dazu überging, in der Woche mehrmals systematisch zu trainieren. Die Mannschaft Peter Tappe, Franz Roßmüller, Ludwig Jorißen, Fritz Brückerhoff und Hermann Groß-Blotekamp war überall geachtet und gefürchtet. So konnte es nicht wundernehmen, dass Peter Tappe 1941 beim Wehrmann-Gewehrschießen in Duisburg Bezirksmeister wurde und die Mannschaft den dritten Platz belegte. Damit auch genügend Nachwuchs zur Verfügung stand, führte Peter Tappe aus der damaligen Hitlerjugend geeignete Jugendliche dem Schießsport zu. So bestand 1942 die Schießmannschaft des Dinslakener Barins 469 aus fünf Spellenern, fünf Walsumer Schützen und dem Dinslakener Matthias Müller. Mit der Einberufung von Peter Tappe wurde diese wertvolle Aufbauarbeit zwar nicht unterbrochen, jedoch so weit ihres geistigen Vaters beraubt, dass keine großen Fortschritte mehr erzielt werden konnten.
Das gesellschaftliche Leben des Vereins fand seinen Niederschlag in zahlreichen Veranstaltungen, vor allem aber in den alljährlich etwa Ende Juni stattfindenden Schützenfesten mit Festzelt und großem Kirmesbetrieb, hatten in den ersten Jahren noch politische Gruppen versucht, auf Schützenfesten ihre Kräfte zu messen und somit den bürgerlichen Bestrebungen des Vereins einen Schlag zu versetzen, so kann für die Folgejahre festgestellt werden, dass diese Feste eine angenehme Bereicherung des gesellschaftlichen Lebens in Walsum darstellten. Auch hier sei eine Episode angeführt, die die Atmosphäre eines Königschießens verdeutlichen soll.
Üblicherweise kämpften vier bis zehn Schützenbrüder jährlich um die Königswürde. Lediglich im Jahre 1936 waren es mehr als 20 (zwanzig) Schützenbrüder. Es wurde ein verbissener Kampf geführt, der darin seinen Höhepunkt zu haben schien, dass der Schützenbruder Peter Tappe mit einem wohlgezielten Schuß einen Riesenklotz Holz von der Stange löste. Man hatte Peter Tappe schon hochleben lassen, als schließlich Schießmeister Gerhard Niemüller bemerkte: “Da fehlt noch wat.” In der allgemeinen Begeisterung war nicht aufgefallen, dass der bei Schmiedemeister August Groß-Blotekamp beschäftigte Geselle Alfred Schollmeier nicht die beim Königschuss üblichen drei Böllerschüsse abgefeuert hatte. Auf Befragen sagte schließlich Alfred Schollmeier: “Da sitzt noch ein Stück.” Dieses Stück war sehr schwer auszumachen, da es nicht geteert war. Noch vier Runden schossen die Königsaspiranten, bis es schließlich Hermann Groß-Blotekamp gelang, einen ca. 40 cm² großen Span von der Stange zu holen. Drei Böllerschüsse verkündeten, dass jetzt tatsächlich kein Holz mehr auf der Stange war.
Peter Tappe gelang es schließlich im Jahre 1938 in der damals neuen Schützenuniform (graues Tuch, grüne Auschläge und Ententeich-Hut) König zu werden. Zu dieser Zeit wurde den Vereinen vom damaligen Reichsbund für Leibesübungen vorgeschrieben, die militärischen Abzeichen von den Uniformen zu entfernen. Auf dem linken Ärmel wurde dann ein Stoff-Abzeichen mit bronzenem Reichsadler getragen, lediglich der Vereinsführer trug dieses Stoff-Abzeichen in Silber und hatte als sonstiges äußeres Kennzeichen einen zehn cm langen und zwei cm breiten silbernen Streifen auf dem linken Ärmel des Schützenrockes.

Alljährlich war es Sitte, dass der Vereinsvorstand während des Schützenfestes dem benachbarten Gärtnermeister Hermann Tofahrn genannt Buhren einen Besuch abstattete.
Mit Buhren Hermann, der seine Gärtnerei auf dem uns vorgelagerten Gelände betrieb, verband uns eine herzliche Freundschaft. Diese Nachbarschaft war für uns auch insofern
von Vorteil, als wir uns bemühen mussten, unser Gelände gärtnerisch so zu gestalten, dass kein allzu großer Unterschied gegenüber dem Gartenbaubetrieb bestand. Den Schützenbrüdern Heinrich Niemüller, Rudolf van Kempen und Heinrich Ridderskamp ist es vor allen Dingen zuzuschreiben, dass der Baum- und Strauchbestand, der zum Teil heute noch vorhanden ist, gehegt und gepflegt wurde. Diese Schützenbrüder setzten ihren ganzen Ehrgeiz darin, Hecken und Grünflächen zu pflegen, Wege zu reinigen, so dass die Umgebung unseres Schützeneigenheimes von allen als wohltuende Grünanlage empfunden wurde. Allerdings hatte es beim Pflanzen der Bäume und Hecken auch Schwierigkeiten gegeben. So musste eines Tages der Vorsitzende feststellen, dass eine große Menge frischgepflanzter Pappeln umgeknickt waren. Der Verdacht lag nahe, dass junge Burschen aus dem benachbarten Fahrn uns einen Streich spielen wollten. Der erste Vorsitzende Wilhelm Winkelmann klagte einem langjährigen Freund, dem an der evangelischen Schule in Fahrn tätigen Lehrer Wilhelm Hartfiel, sein Leid. Lehrer Harfiel nahm an einem der nächsten Tage in der Schule Gelegenheit, in der Heimatkunde besonders über Grünanlagen zu sprechen. Er ließ seine Schüler alle ihnen bekannten Grünanlagen in der Nachbarschaft aufzählen. Als das Gelände um das Schützeneigenheim erwähnt wurde, fragte er überraschend: “Und wer hat die Bäumchen umgeknickt ?” Die Schüler waren verdattert, schon fielen die ersten Namen, und in kurzer Zeit waren alle Sünder bekannt. Nach “maßgerechter Behandlung“ sagte dann Lehrer Hartfiel zu seinem Freund: “Wilhelm, die knicken keine Bäumchen mehr um.”
Nicht unerwähnt darf bleiben, dass durch Gründung einer Seniorenabteilung im Jahre 1929 auch älteren Bürgern Gelegenheit geboten wurde, sich mit Freunden in einem Schützenverein darzustellen. Bei unseren Festumzügen fielen diese Kameraden schon dadurch auf, dass sie im schwarzen Gehrock sowie mit Zylinder und grün-weißem Band ein sehr schmuckes Bild boten.
Natürlich hatte der Aufbau des Vereins in dieser Form auch beträchtliche finanzielle Mittel verschlungen, für die Bankkredite in Anspruch genommen werden mussten. Da der junge Verein noch keine Sicherheiten bieten konnte, übernahmen in uneigennütziger Weise zunächst die Eheleute Ernst-August Groß-Blotekamp und später auch Theodor Nühlen selbstschuldnerische Bürgschaften. Den Bürgen, von denen heute niemand mehr lebt, sei an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt.

Mit den geschilderten Sportmöglichkeiten und einem aktiven Vereinsleben waren alle Voraussetzungen für eine gedeihhiche Entwicklung gegeben. Umso härter musste der Kriegsausbruch am 1. September 1939 unsere Bestrebungen treffen. Viele Kameraden wurden zur Wehrmacht einberufen, darunter auch unser erster Vorsitzender Wilhelm Winkelmann in der Zeit von August 1939 bis November 1940 sowie von Mitte 1943 bis zum Kriegsende. In dieser Zeit wurde der Verein stellvertretend von seinem Schwager Hermann Groß-Blotekamp geführt. Hermann Groß-Blotekamp, der im übrigen ausgezeichnete Arbeit leistete, ist es vor allem zu verdanken, dass die Kontakte zwischen den an der Front stehenden Kameraden und dem Verein nie abrissen.
In den letzten Kriegsjahren überzogen Wehrmacht und Polizei das Sportgelände mit Schützengräben und machten daraus einen militärischen Übungsplatz. Der für Sportwaffen ausgelegte Scheibenstand wurde durch Übungen mit militärischen Waffen praktisch restlos zerstört.
Das gesamte übrige Vermögen des Vereins wurde durch Kriegseinwirkungen mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft gezogen bzw. zerstört. Das Schützeneigenheim wies starke Schäden auf.
Die Königskette wurde im Hause van den Berg ein Raub der Flammen. Einzig und allein die Vereinsfahne konnte bei dem Bombenangriff vom 14. Oktober 1944 auf Duisburg von Heinrich Schenzer, genannt Ohm Henn, aus dem brennenden Hause des ersten Vorsitzenden gerettet werden. In Dankbarkeit gedenken wir Heinrich Schenzer, der am 31. Dezember 1958 tödlich verunglückte.

Die Ausgangsposition des Vereins nach Beendigung des Krieges war somit trostlos. Hinzu kam, dass in den ersten Nachkriegsmonaten Schützenvereine von der Bevölkerung militärischen Organisationen gleichgestellt wurden. Die Militärregierung hatte zunächst die Vermögenswerte beschlagnahmt, an denen Gegner der bürgerlichen Schützen ein mehr oder weniger unverhohlenes Interesse zeigten. Die Menschen hatten sogar Angst, sich zu den Tugenden der Schützen zu bekennen. In dieser Situation, bewies der erste Vorsitzende Wilhelm Winkelmann ein großes Maß an Übersicht, die letztlich entscheidend dazu beitrug, dass dem Verein das Grundvermögen erhalten blieb.
Als im Herbst 1945 Willi Körber und Werner Hüsken bei Wilhelm Winkelmann im Auftrag des Spielvereins Walsum vorsprachen und ihn baten, das Gelände in Eigenleistung als Sportplatz für den SV Walsum herrichten zu dürfen, erteilte er seine grundsätzliche Zustimmung zu langfristiger Zusammenarbeit. So konnte das vom SV Walsum hergerichtete Gelände bereits am 1. Mai 1946 mit dem Spiel Walsum gegen Sterkrade als Sportplatz in Benutzung genommen werden. Viele Walsumer werden sich sicherlich noch des ersten Maifeiertages nach dem Kriege erinnern, als dort eine Feierstunde, die vom Männerquartett-Verein Walsum musikalisch ausgeschmückt wurde, mit dem anschließenden Fußballspiel stattfand.
Als dann regulierte der erste Vorsitzende trotz großer persönlicher Sorgen die aus denletzten Kriegsjahren und den ersten Nachkriegsmonaten anstehenden Forderungen aus demGrundstückskaufvertrag mit Frau Rünker, wodurch das Grundstück endgültig in das Eigentum des Vereins überging (von finanziellen Eigenmitteln des Vereins war zu diesem Zeitpunkt keine Rede). Schließlich gelang es Wilhelm Winkelmann zu erreichen, dass die Beschlagnahme des Vereinsvermögens durch die Militärregierung aufgehoben wurde. Somit war zunächst alles geregelt, was im Sinne des Vereins getan werden konnte. Nur der Verein selbst war noch nicht zugelassen. Eingehende Untersuchungen ergaben indes, dass die Verbotsbestimmungen der Alliierten gar nicht auf bürgerliche Traditionsvereine zutrafen. Alle Voraussetzungen waren also gegeben, dass der Verein sich rekonstituieren konnte. Allerdings musste nach den Bestimmungen der Militärregierung die schießsportliche Zweckbestirnmung des Vereins entfallen.
Wilhelm Winkelmann ging nun daran, die alten Getreuen des Vereins wieder um sich zu versammeln. Dabei musste er feststellen, dass mit dem Ende des Krieges auch die Menschen sich geändert hatten. Nicht alle waren bereit, sich der Idee der Bürgerschützen wieder zu verschreiben. Zu schwere Wunden hatte der Krieg geschlagen, so dass für viele einfach die Zeit noch nicht gekommen war, sich wieder einem Schützenverein anzuschließen. Denoch fand am 31. Oktober 1948 die erste Versammlung nach dem Kriege im Schützeneigenheim statt, in der 38 Schützenbrüder ihren Willen bekundeten, die Bürger-Schützengesellschaft e.V. 1928Aldenrade-Walsum  wieder aufleben zu lassen. Nach Verabschiedung der neuen Satzung wurde Wilhelm Winkelmann wiederum zum ersten Vorsitzenden gewählt. Da Hermann Groß-Blotekamp kein lntresse zeigte, erneut ein Vorstandsamt zu übernehmen, wählte die Versammlung den Schützenbruder Matthias Körber zum neuen Schriftführer. Kassierer wurde Theodor Nühlen sen.. Zu Beisitzern wurden die Kameraden Josef Becker, Ernst Küsters sen. und Josef Tärkel gewählt.
Nachdem der Verein am 1. Juli 1949 beim Vereinsregister des Amtsgerichtes Dinslaken neu eingetragen worden war, trat er in der Zeit vom 15. – 17. Oktober 1949 mit einem Oktober- Fest erstmals wieder an die Öffentlichkeit. Dieses Fest war ein riesiger Erfolg und sollte uns zu weiteren Aktivitäten ermuntern. Man konnte feststellen, dass sich die Bürger nach Krieg und Hungerzeit  wieder danach sehnten, in fröhlicher Runde die bitteren Jahre zu vergessen. Ein Familienabend im Lokal unseres Vereinsmitgliedes Willi Clören schloss sich an.
Etwa zu dieser Zeit gab Frau Marciniak, die langjährige Pächterin des Schützeneigenheimes, dem Verein davon Kenntnis, dass sie aus Altersgründen das Pachtverhältnis Ende August 1950 beenden möchte. Eine Reihe von Bewerbern meldeten sich, um den Wirtschaftsbetrieb zu übernehmen. Die meisten wohl in der Annahme, dass dieser Betrieb den Lebensunterhalt für eine Familie abwerfen könnte, obwohl bis zu diesem Zeitpunkt das Schützeneigenheim immer nebenberuflich geführt wurde. Das große Interesse, dass der Klärung der Nachfolgefrage von Frau Marciniak entgegengebracht wurde, führte zu der bisher am stärksten besuchten Mitgliederversammlung nach dem Kriege. Nach einem eingehenden Meinungsaustausch schenkte schließlich die Mehrheit der Versammlung den Eheleuten Heinrich Mathes das Vertrauen. Der Grundstein für eine elfjährige Zusammenarbeit war damit gelegt. Außerdem wurde für die Zusammenarbeit mit dem Spielverein Walsum durch Abschluß eines langfristigen Pachtvertrages eine rechtliche Basis geschaffen.
Zu Beginn des Jahres 1951 wuchs im Verein der Wunsch, wie in der Vorkriegszeit ein Schützen- und Volksfest durchzuführen. In der Zeit vom 16. – 19. Juni 1951 fand dieses Fest auf dem Sportplatz mit großem Kirmestrubel statt. Beim Königschießen im Festzelt am 18.
Juni 1951 gelang es dem Schützenbruder Hans Wesely, den Rumpf des Königsvogels mit der Armbrust von der Stange zu holen. Hans Wesely wurde somit unser erster Nachkriegskönig und erkor sich Frau Hanna Körber zu seiner Mitregentin.Leider hatte es der Wettergott an den Festtagen nicht gut mit uns gemeint, so dass das Fest mit einem finanziellen Manko
abgeschlossen werden musste. Außerdem musste der Verein feststellen, dass die Spielfläche des Sportplatzes durch den Kirmesbetrieb arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Diese beiden Gesichtspunkte waren mit dafür entscheidend, dass der Verein sich letztlich entschloss, sein 25-jähriges Jubiläum im Jahre 1953 im Schützeneigenheim im kleinen Kreis zu feiern. Mit dieser Entscheidung wurden die Weichen für die Zukunft gestellt. Darüber hinaus beschlossen die Mitglieder, künftig keine Umzüge mehr zu veranstalten und auch auf eine Fahnenabordnung bei Beerdigungen zu verzichten. Festkleidung sollte in Zukunft der schwarze Anzug sein. Der “Zylinderverein” – wie es scherzhaft in manchen Teilen Walsums heißt- war geboren.
Am 24. Oktober 1953 konnte der erste Vorsitzende Wilhelm Winkelmann eine Reihe vonJubilaren mit der silbernen Ehrennadel des Vereins auszeichnen. Einige Senioren darunterJosef Tärkel und Heinrich Niemüller, die mehr als 50 Jahre dem deutschen Schützenwesengedient hatten, wurden mit der goldenen Ehrennadel des Vereins ausgezeichnet. DerFestabend wurde für uns alle unter dem vom ersten Vorsitzenden ausgegebenen Motto: “Ewig bleiben treu die Alten”, zu einem unvergeßlichen Erlebnis.
Für das Königschießen am 25. Oktober 1953 mit der Armbrust war ein Hochstand auf demSportplatz hergerichtet worden. Diese Armbrust war unvergleichlich stärker als das beim Schützenfest 1951 benutzte Gerät. Allerdings konnte niemand für Treffer garantieren, so dass mit Überraschungen gerechnet werden musste. Eine solche trat auch promt ein, als Willi Körber – erster Vorsitzender beim SV Walsum – abmarschfertig zum Meisterschaftsspiel gegen den BV Beeck stand und um Abgabe eines Schusses gebeten wurde. Dieser Schuss war zugleich auch der letzte auf den Königsvogel 1953. Nach der Ehrung fuhr der König in voller Montur mit Königskette und der kompletten Throngesellschaft zum Fußballspiel nach Beeck.
Die auf privater Basis geführten Gespräche zwischen Vertretern der beiden AldenradenerBürgerschützenvereine mit dem Ziele einer Vereinigung musste schließlich scheitern, weil eineReihe von Mitgliedern mit einem solchen Vorgehen nicht einverstanden war und unverholendamit drohte, unverzüglich eine kirchliche Schützenbruderschaft zu gründen.
Der weitere Weg unseres Vereins wurde dadurch vorgezeichnet, dass die Mitglieder einstimmig der Auffassung waren, grundsätzlich Schützenfeste mit einem überschaubaren finanzieller Risiko selbst zu finanzieren. Das Kriterium eines jeden bürgerlichen Schützenvereins, wer kann soll und darf den Königschuss tun, wurde so festgelegt, dass grundsätzlich jeder Schützenbruder - unabhängig von Rang und Stand – durch den Verein in die Lage versetzt wird, den Königsschuss zu tun. Der Schützenbruder muss nur ernsthaft gewillt sein, dem Verein ein guter Regent zu sein und ihn an ernsten und heiteren Tagen gebührend zu repräsentieren.
Einig waren sich die Schützenbrüder, dass die im Jahre 1953 vorhandenen Räumlichkeiten es Schützeneigenheims nicht ausreichten, um den Festen einen würdigen Rahmen zu geben. Auf gleicher Linie lagen die Intressen des Spielvereins Walsum, der dringend Umkleideräume benötigte und für die Unterbringung von Gästen und zur Abhaltung von Sitzungen über entsprechende Räumlichkeiten verfügen musste. So kam es, dass der SV Walsum einen Darlehnensvertrag mit dem Fußballverband Niederrhein abschloss, der allerdings nur dadurch wirksar wurde, dass wir die selbstschuldnerische Bürgschaft übernahmen. Der Auf- und Ausbau fand nach den Bauplänen des SV Walsum statt, so dass Ende 1954 die Umkleideräume ihrer Bestimmung übergeben werden und wir unserem Vereinswirt endlich eine Wohnung anbieten konnten. Auf Forderung des FVN wurde der Pachtvertrag mit dem SV Walsum im Jahre 1954 mit der Laufzeit von 30 Jahren erneuert.
Der Wirtschaftsbetrieb nahm einen ungeahnten Aufschwung. Die Veranstaltungen des Vereins konnten in den eigenen Räumen des Schützeneigenheimes durchgeführt werden. Ungemein günstig wirkte sich für die Schützenfeste aus, dass der Verein sich entschloss, terminlich diese Veranstaltung grudsätzlich am Erntedankfest abzuhalten. Vor allem auf Grund ihres familiären Charakters wurden unsere Schützenfeste über den Bereich der Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Die ersten Schritte zum “Familientag der Walsumer Schützen” wurden damals getan.
Im Jahre 1959 starb unser langjähriges Vorstandsmitglied, Schatzmeister Josef Becker.Josef Becker, als Major aus dem Zweiten Weltkrieg heimgekehrt, war immer ein bescheidener Mensch und eifriger Schützenbruder. Der erste Vorsitzende, der über Jahre hinweg mit Josef Becker in herzlicher Freundschaft verbunden und in den letzten Kriegsjahren mit ihm in einer Militäreinheit war, nahm in bewegenden Worten auf dem Hamborner Friedhof Abschied von unserem getreuen Schützenbruder. Nachfolger von Josef Becker wurde Walter Pergancle, ein Schützenbruder, dem die Rolle des Schatzmeisters auf den Leib geschrieben war, und der das Vereinsvermögen bis zu seinem Tode im Mai 1975 gewissenhaft verwaltete.
Als im Jahre 1961 der Hochstand in Eigenarbeit wieder betriebsbereit gemacht worden
war, entschloss sich der Verein, künftig vom Königschießen mit der Armbrust abzugehen und
stattdessen Kleinkalibergewehre zu benutzen. Erster König mit KK-Gewehr wurde der
Schützenbruder Dr. Walter Kathmann.
Vor der Jahreshauptversammlung am 27. Januar 1963 baten die langjährigen
Vorstandsmitglieder Matthias Körber und Hermann Rumpf, von der Wiederwahl Abstand
zu nehmen. Zugleich bat Hermann Rumpf, ihn von seinen Pflichten als Oberst zu entbinden.
In der Jahreshauptversammlung wurde daraufhin eine Satzungsänclerung durchgeführt.
Demnach wurde von 1963 ab der Verein gerichtlich und außergerichtlich durch den ersten
und zweiten Vorsitzenden vertreten. Für die allgemeine Vereinsarbeit sollte einem Beisitzer
die Geschäftsführung und einem anderen Beisitzer die Verantwortung für den
Wirtschaftsbetrieb übertragen werden. Seiher ist Schützenbruder Hermann Schulz als
zweiter Vorsitzender in unserem Verein tätig. Mit der Geschäftsführung wurde der
Schützenbruder Arthur Winkelmann beauftragt, mit der Verantwortung für den
Wirtschaftsbetrieb Karl-Heinz Kleineberg. Als Nachfolger von Hermann Rumpf, der zum
Ehrenoberst ernannt wurde, wurde Willi Körber zum Oberst befördert und ist seitdem Vorsitzender des Offizierskorps.
Der neue Vorstand setzte sich Ziele, die in der Folgezeit systematisch angesteuert wurden. Zunächst erklärten wir unseren Beitritt zum Rheinischen Schützenbund, wodurch den Schießsportlern Gelegenheit gegeben wurde, sich in Rundenwettkämpfen ständig mit den Sportkameraden unseres Schützenkreises zu messen. Beitritte zum Kreissportverband Dinslaken und Stacltsportbund Walsum rundeten diese Maßnahme ab. Außerdem wurden die bestehenden Kontakte zu unseren Nachbarvereinen dadurch vertieft, dass wir neben dem Schützenfest unseres Aldenradener Brudervereins auch die entsprechenden Veranstaltungen in Eppinghoven 1743 und Walsum 1856 regelmäßig besuchten. Diese Besuche wurden natürlich von unseren Brudervereinen bei unseren Festen erwidert, und somit war der zweite Schritt zum Familientag der Walsumer Bürgerschützen im Oktober eines jeden Jahres getan. In Bezug auf das goldene Ehrenzeichen unseres Vereins legte die Mitgliederversammlung vom 25. August 1963 fest, dass die Verleihung bei 35-jähriger Mitgliedschaft erfolgt. Oberst Willi Kärber ist das Verdienst zuzuschreiben, dass wir uns 1963 entschlossen, den schwarzen Festanzug durch die grüne Gesellschaftsjacke mit schwarzer Hose zu ersetzen. Die Zusammenarbeit mit den Eheleuten Mathes als Pächter des Wirtschaftsbetriebes fand 1961 ihr Ende. Die Nachfolge wurde von den Eheleuten Oskar Hatwig angetreten, leider nicht mit dem gewünschten Erfolg, so dass das Pächterehepaar nach knapp zwei Jahren um Lösung des Vertrages bat. Der Verein kam danach zu einem Pachtvertrag mit den Eheleuten Hermann Mund (ab 1. Mai 1963). Die Eheleute Mund genossen das Vertrauen unseres Vereins wie auch der Gäste unseres Schützeneigenheims und mussten zu unserem Bedauern nach vielen persönlichen Schicksalsschlägen 1971 aus gesundheitlichen Gründen vorn Vertrag zurücktreten.
In der Jahreshauptversammlung vom 28. Januar 1967 legte der 1. Vorsitzender Winkelmann auf Grund seines angegriffenen Gesundheitszustandes das im Jahre 1928 übergebene Amt nieder. Die Jahreshauptversammlung betraute einstimmig seinen Sohn Arthur Winkelmann mit der Nachfolge und wählte Wilhelm Winkelmann auf Lebenszeit zum Ehrenvorsitzenden mit Sitz und Stimme in allen Gremien.
Dem neuen Vorstand lag vor allem daran, dass Vereinsleben noch stärker als bisher zu aktivieren. So wurde als Pendant zum Schützenfest am 22. April 1967 das erste Freundschaftstreffen gefeiert. Der zuvor bereits von Oberst Körber ins Leben gerufene Herrenabend des Offizierskorps fand großen Anklang. Nikolausfeiern für die Kleinen wurden als willkommene Abwechslung sehr begrüßt. Aber auch harte Aufgaben standen ins Haus. Die Basis für die Zusammenarbeit mit dem Spielverein Walsum war derart brüchig geworden, dass der Verein sich im April 1968 entschloss, den bestehenden Vertrag aufzukündigen. In der Folgezeit wurden Verhandlungen mit Vertretern der Stadt Walsum geführt mit dem Ziel, ein Großteil unseres Geländes dem Sport zu erhalten, aber auch für unseren Verein eine langfristige Lebensgrundlage zu schaffen. An dieser Stelle sei besonders dem allzu früh verstorbenen Bürgermeister Ernst Lapp gedankt, der mit einer der geistigen Väter des später durchgeführten Geländetausches war, der im Vertrag vom 28. Oktober 1974 mit der Stadt Walsum manifestiert wurde.

Vor allem die Kontakte zu den anderen Vereinen gaben uns sowohl schießsportlich als auch gesellschaftlich ungeheuren Auftrieb. Unvergessen das erste Kreiskönigschießen nach langer Pause am 24. Mai 1969, als unser König Willi Verweyen den Vogel praktisch mit der Mütze herunterholen konnte und Wetten auf eine Vielzahl von Flaschen Sekt liefen, wenn er den glücklichen Schuss täte. Ausgerechnet Willi Verweyen hatte nicht die nötigen Nerven und schoss vorbei. Glücklicher hingegen war Gerd Zäller, der am 21. Mai 1972 in Barnhingholten, und Kurt Wolff der am 22. Mai 1977 in Ork, Kreiskönig wurden.

Um unsere satzungsmäßigen Bestimmungen den heutigen Erfordernissen anzupassen, wurde in der Mitgliederversammlung vom 1. September 1973 die derzeit gültige Satzung verabschiedet. Der Vorstand gemäß § 26 BGB setzt sich nunmehr aus den beiden Vorsitzenden und dem Schatzmeister zusammen. Jeweils zwei dieser drei Vorstandsmitglieder vertreten den Verein gerichtlich und außergerichtlich.
Unserem langjährigen Freund Josef Burtscheid wurde in Anerkennung seiner Verdienste beim Schützenfest 1970 die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Bis heute ist Josef Burtscheid neben unserem Ehrenvorsitzenden Wilhelm Winkelmann unser einziges Ehrenmitglied geblieben.

Am Anfang dieses Jahrzehnts nahmen unsere Pläne, das vorhandene Grundvermögen in irgendeiner Form baulich besser zu nutzen, immer konkretere Formen an. Hierbei standen folgende Probleme zu Debatte:
1. Ein größeres Gebäude sollte erstellt werden und eventuell auch unseren Wirtschaftsbetrieb aufnehmen,
2. Der vorhandene Wirtschaftsbetrieb sollte eventuell zu einem Jugendheim umfunktioniert werden.
3. Dem ständigen Drängen der Schießsportabteilung sollte durch Wiederaufbau eines Kleinkaliber-Schießstandes im Anschluss an den vorhandenen Wirtschaftsbetrieb entsprochen werden.
Bereits Ende 1972 lag eine entsprechende Baugenehmigung vor, die allerdings nicht ausgenutzt werden konnte, da Grundstücks- und Finanzierungsfragen noch nicht restlos geklärt waren. Erst mit dem Abschluss des zuvor erwähnten Grundstückstauschvertrages mit der Stadt Walsum, der die Bebaubarkeit des auf uns zukommenden Grünflächenanteils zur Voraussetzung hatte, konnten letztlich unsere Pläne realisiert werden. Dabei musste allerdings eine Änderung der Gesamtkonzeption vorgenommen werden. So gingen wir zunächst daran – im Sinne der mit der Stadt Walsum getroffenen Absprachen – die Genehmigung für die Errichtung eines Wohnhauses mit elf öffentlich geförderten Wohnungen einzuholen, was uns schließlich am 29. November 1975 gelang. Mit der Durchführung des Bauvorhabens selbst wurde Anfang 1976 begonnen. Trotz Unterbrechung durch Frosteinbrüche konnte das Bauvorhaben so rechtzeitig vollendet werden, dass Mieter zum 1. November 1976 die Wohnungen beziehen konnten.

Die Überholung des Wirtschaftsbetriebes war dringend erforderlich geworden, so dass wir uns entschlossen, im Mai 1976 durch eine Großreparatur die Gaststätte so zu verbessern, dass sie allen Ansprüchen genügen könnte. Überraschend für uns war der Umfang der
Arbeiten derart groß, dass schließlich eine Baugenehmigung erforderlich war. Trotz dieser Erschwernisse konnten wir, vor allem durch den Einsatz der Schützenbrüder Karl-Heinz Rubbert und Karl-Heinz Kleineberg -Sohn unseres Mitbegründers Karl Kleineberg – die
Arbeiten so rechtzeitig beenden, dass auf den Tag pünktlich zum 1. September 1976
den neuen Pächtern, den Eheleuten Benno und Karin Galbierczyk, der Wirtschaftsbetrieb im “Schützenhof” mit der erweiterten Wohnung übergeben werden konnte. In diese Großreparatur mit einbezogen wurde die Errichtung des Kleinkaliberscheibenstandes. Auch hierfür bestanden seit Jahren ausgereifte Pläne, die letztlich doch noch umgeworfen werden mussten, da wir uns mit Rücksicht auf die Bestimmungen des Umweltschutzes entschlossen, einen Betonröhren-Schießstand zu errichten. Für den Raum Duisburg ist dies praktisch eine Pilot-Anlage in dieser Form. Am 27. November 1976 konnten wir die Anlage ihrer Bestimmung übergehen.

Somit waren alle Ziele erreicht, um den Verein auf eine solide Basis zu stellen. Wir konnten daran gehen, in Ruhe unsere Vorbereitungen für das 50-jährige Jubiläum aufzunehmen, als uns im November 1977 ein schwerer Schlag traf. Der langjährige Vorsitzende und Ehrenvorsitzende unseres Vereins, Wilhelm Winkelmann, schloss am 16. November 1977 für immer die Augen. Seine Beerdigung am 21. November auf dem Aldenradener Friedhof wurde zu einer Demonstration der Gemeinsamkeit der Walsumer Schützenfamilie und darüber hinaus der Schützen des Schützenkreises 012 Dinslaken.
Am 29. September feierte die Bürger-Schützengesellschaft ihr 50-jähriges Jubiläum mit einem Festakt unter großer Beteiligung unserer Brudervereine und Gästen aus Politik und Wirtschaft. Die festliche Musik lag in der Stabsführung von Herrn Günter Berg von der Kappelle der “Bergbau AG Niederrhein”. In unserem Jubiläumjahr führte uns König Werner III. (Reininghaus) mit seiner Königin Anneliese I. (Spörl) und seiner Throngesellschaft.

Die achtziger Jahre waren geprägt durch eine Großveranstaltung im Jahre 1984. In der Zeit vom 16. – 18. März fand der 33. Rheinische Schützentag in Duisburg statt. Die Ausrichtung wurde dem Bezirk 01 Rechter Niederrhein übertragen. Die Planung, Verantwortung und Durchführung dieser riesigen Veranstaltung lag in den Händen des damaligen Vorsitzenden des Bezirks 01 unseres heutigen Ehrenpräsidenten Arthur Winkelmann. Am Freitag, 16.03.1984 fand die Präsidiumssitzung in unserem “Schützenhof” statt. Nach dem morgentlichen Empfang durch den Oberbürgermeister Josef Krings im Mercator-Zimmer des Rathauses mit Bannerübergabe, begann am frühen Nachmittag das “Landeskönigschießen” auf der Schießanlage im “Kastel” in Oberhausen-Holten.

Am Abend fand dann der große “Rheinische Schützenball” mit einem bunten Programm, der Big-Band der Bergbau AG Niederrhein unter Leitung von Herrn Günter Berg, und mit einer großen abschließenden Tombola in der “Rhein-Ruhr-Halle” in Duisburg-Hamborn statt. Mit einem feierlichen Festakt am Sonntag in der “Rhein-Ruhr-Halle” endete der 33. Rheinische Schützentag.

In der Januar-Vorstandssitzung 1984 war unser Präsident Arthur Winkelmann sehr ungehalten. Er verlangte von seinen Vorstandsmitgliedern mehr Impulse und kreative Ideen zur Belebung unseres Vereinslebens. Beisitzer Manfred Möller machte dann in der September-Vorstandssitzung 1984 drei Vorschläge:
1. einen Wandertag für unsere Schützenfamilie, Freunde und Bekannte einzuführen
2. ein “Bürger-Vogelschießen” mit dem KK-Gewehr für ALLE Bürger/innen zu veranstalten
3. unsere Könige mit einem Armstreifen mit Jahreszahl auszustatten. Während die Punkte 1. und 2. in der besagten Vorstandssitzung genehmigt wurden, fiel der Punkt 3. mit der lapidaren Bemerkung: “brauchen wir nicht”, durch.
Die neunziger Jahre waren für unsere BSG sehr bedeutungsvoll und für die Zukunft richtungsweisend mit wesentlichen Veränderungen in unserem Vereinsleben.

1995 wurde durch einen großen Umbau der Schützenhof neu gestaltet. Mit großem finanziellen Aufwand, aber auch mit viel intensiver Eigenarbeit unserer Schützenbrüder haben wir alle zusammen etwas geschaffen, was uns nur wenige zugetraut haben und auf das wir in der Nachbetrachtung richtig stolz sein können. Nach der Fertigstellung konnten wir dann im April 1995 unserem neuen Pächterehepaar  Waltraud und Paul Quickert die Schlüssel für unseren Schützenhof übergeben. Ebenfalls wurde in diesem Jahr durch intensive Bemühungen und Werbung und dank des großen persönlichen Einsatzes unseres Leutnants Paul Wolfsdorff ende 1995 die Jugend-Abteilung gegründet. Schnell fanden 8,10,12 Jugendliche die dann auch regelmäßig an den Rundenwettkämpfen und sonstigen offiziellen Schießen auf Kreis- bzw. Bezirksebene teilnahmen. Seit 2001 leitet unsere Jugendwartin Berhardine Erkenbrecher mit großen Erfolg unsere Jugendabteilung. Seit Beginn 2007 ist Tobias Beck unser neuer Jugendwart.

Im Jahre 1998 wurde unser Damen LG- und KK-Abteilung gegründet. Die fröhlichen Übungsabende für Damen und Herren führten dazu, dass sich 6 Schützenschwestern zusammenrauften und sich noch intensiver dem LG-Schießen widmeten. Nach einiger Zeit erhielten die Damen den Dienstag als eigenen Trainigstag. Dieses Training zahlte sich dann auch schnell aus, denn in den Jahren 2001 und 2002 ist unsere Damenmannschaft Meister geworden und in die nächsthöhere Klasse aufgestiegen. Auch die Ergebnisse bei den Kreis- und Bezirksmeisterschaften konnten sich durchaus sehen lassen.
Das neue Jahrtausend begann und verlief so, wie wir das alte Jahr aufgehört hat.

Besonders das Jahr 2000 war ein ganz normales Jahr. Wir haben alle Veranstaltungen in gewohnter und bewährter Weise durchgeführt. Erster König im neuen Jahrtausen wurde unser Leutnant Michael I. (Knaup). Zu seiner Königin erkor er sich Monika I. (Raum).
Da unsere Traditionskönigskette immer umfangreicher und schwerer wurde, hat unser 1. Kaiser Hauptmann Karl-Heinz Dungs – letzter König im alten Jahrhundert – unserer BSG eine neue Königskette gestiftet, die bei der Krönung im Jahr 2000 erstmals übergeben wurde.

Das Jahr 2001 war ein ganz schlimmes Jahr, das unsere BSG bis in die Grundmauern erschüttern ließ. Ende Juli 2001 trat plötzlich unser 1. Vorsitzende von seinem Amt zurück. Als dann, einen Monat später, am 26. August am Schluss der Mitgliederversammlung auch der 2. Vorsitzende sein Amt niederlegte, machte sich Fassungslosigkeit in unserer Schützenfamilie breit, denn wir standen gut einen Monat vor unserem Schützenfest. Einige ältere, erfahrene Mitglieder nahmen nun das Heft in die Hand, um unsere BSG wieder auf den richtigen Weg zu führen. Hier müssen wir unserem Schatzmeister Norbert Gebuhr ein ganz dickes Lob aussprechen für seine Bereitschaft, kurzfristig die BSG kommisarisch bis zur nächsten Jahreshauptversammlung zu leiten. Er hat in seiner Funktion ein Schützenfest allererster Güte hingelegt.

Im Jahr 2003 übernahm Manfred Möller das Amt des 1. Vorsitzenden und Kurt Wolff das des 2. Vorsitzenden. Neuer Schatzmeister wurde Heinz Kranz. Die BSG hatte somit das Tief hinter sich gelassen und konnte sorglos in die Zukunft blicken. Im Jahr 2003 feierte die Bürger-Schützengesellschaft ihr 75-jähriges Jubiläum mit einem Festakt unter großer Beteiligung unserer Brudervereine und Gästen aus Politik und Wirtschaft.

Seit Januar 2005 steht nun Udo Loose an der Spitze der BSG. Er stand in diesem Jahr in doppelter Hinsicht an der Spitze, denn er ist nicht nur zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt worden, sondern er war zugleich auch Kaiser unserer BSG.